Der Europäische Rat hat sich in den Lissabonner Schlussfolgerungen als Benchmark für
Investitionen in die allgemeine und berufliche Bildung dafür ausgesprochen, dass „die
Humankapitalinvestitionen pro Kopf [...] von Jahr zu Jahr substanziell gesteigert werden“
sollen (Europäische Kommission, 2002, S. 9). Die Bildungsausgaben werden als bedeutende
Investition in die Zukunft gesehen und die Bedeutung der Qualifikationen der Bürgerinnen
und Bürger für die wirtschaftliche Entwicklung hervorgehoben. Die „BIP-Ausgaben für
Humanressourcen“ dienen als Kennzahl in diesem Bereich. Sie geben an, wie hoch der
Anteil der öffentlichen Gesamtausgaben für Bildung am Bruttoinlandsprodukt ist.
In Österreich zeigt sich bei diesem Indikator schon seit 1995 eine rückläufige Tendenz: Damals
wurden in Summe rund 6,0 % des BIP für die Bildung vom Elementar- bis zum Tertiärbereich
aufgewendet, 10 Jahre später waren es rund 5,4 %. Österreich nähert sich hier den
EU-Durchschnitten, die im Aggregat eine steigende Tendenz verzeichnen. Im Jahr 2004 lag
der EU-Durchschnitt geringfügig über 5 %. Diese Veränderung ergibt sich in Österreich aus
einer stärkeren Steigerung des BIP und nicht aus einem Rückgang der Bildungsausgaben,
der zusätzliche Reichtum wird also für andere Zwecke verwendet. Entscheidend ist darüber
hinaus nicht allein die Höhe der Finanzmittel, sondern die möglichst effiziente Nutzung der
Ressourcen.
Günter Haider & Lorenz Lassnigg, in: Werner Specht (Hrsg.), Nationaler Bildungsbericht, Österreich 2009, Band 1: Das Schulsystem im Spiegel von Daten und Indikatoren, Seite 31